Krähenjagd mit Locker List und Tücke

Krähenjagd mit Locker List und Tücke

Krähenabschüsse nur als seltene Einzelereignisse? Das muss nicht sein, sprach Klaus Demmel und berichtete von den Erfolgen mit seinem neuen Locker. Das wollten wir natürlich auch testen und luden den Lockjagd-Experten zu einem Krähenjagd-Wochenende in unser Revier ein. Wir sollten was erleben!

Krähenjagd

Frank Rakow
Kraah, kraah, kraah.“ Klaus trötet mit seinem Locker eine volle akustische Breitseite, und die schwarzen Gesellen schwenken tatsächlich ein. „Pass auf, jetzt kommen sie! Du rechts, ich links.“ Ich merke die Spannung in den beiden Gestalten vor mir, mache den Fotoapparat schussbereit. Dann entschlossenes Hochreißen der Flinten, und schon bellen die Schrotladungen aus dem Tarnschirm. Auch ich habe auf Dauerfeuer gedrückt und die entscheidenden Momente durch den Sucher der Kamera verfolgt. Eine etwas eingeschränkte Sichtweise. „Hast Du Deine?“, fragt Klaus. „Ja“, lautet Christians kurze Antwort, „mit dem zweiten Schuss ist sie endgültig nach unten gegangen. Aber Deine macht sich gerade zu Fuß davon.“ Klaus sieht die Krähe im Eiltempo über den Acker marschieren und läuft sofort los. Ein weiterer Schuss und ein kräftiger Spurt sind noch notwendig, bis er schließlich mit der Beute wieder in den Schirm zurückkehrt. Schon sechs Wochen vorher hatten wir diese Aktion mit Klaus Demmel besprochen, als er zur Blattjagd in unserem Taunus- Revier weilte. Stolz zeigte er uns die ersten Prototypen seines Krähenlockers. „Seit drei Jahren experimentiere ich jetzt daran herum.
Nun habe ich endlich die Lösung gefunden“, präsentierte er stolz das jungfräuliche Stück. Seiner Produktlinie treu bleibend, ist es natürlich wieder in den Teil einer Gehörnstange eingebettet.
Seine Vorführung klang nicht nur eindrucksvoll laut, sondern auch überzeugend nach Rabenkrähe. „Bis auf 500 Meter habe ich die Krähen damit zum Zustehen gebracht“, berichtet er mit glänzenden
Augen. Keine Frage, das wollten wir selbst erleben. Und so wurde für Mitte September ein „Krähenjagd-Wochenende“ vereinbart, bei dem wir dem Meister nicht nur über die Schulter schauen, sondern
auch schießen wollten. „Ganz wichtig ist eine gute Vorbereitung“, schwor uns der Lockjagd-Profi ein. „Regelmäßig nachschauen, wo sich die Schwarzen aufhalten, welche Flugrouten sie gern benutzen
und wo sie ihre Schlafbäume haben.“ Wie bei einem guten Handwerker sei auch bei der Lockjagd auf Krähen eine gute Vorbereitung die halbe Miete. So hatten wir in den folgenden Wochen die schwarzen Luftgeschwader ständig im Auge. Aus eigenem Interesse, aber auch um den „Meister“ nicht zu enttäuschen. Nach unseren Beobachtungen litt unser Revier zwar nicht gerade unter einer Krähenschwemme, aber zwischen 100 und 150 Rabenkrähen hielten sich jedoch immer im 550 Hektar großen Areal auf. Drei Plätze hatten wir als besonders aussichtsreich lokalisiert: Die Hecke vor
einem größeren Feldgehölz, eine Obstbaum-Insel im freien Feld sowie ein kleines Feldgehölz unter einer Stromleitung. Der letztgenannte Platz schien uns besonders erfolgversprechend, da hier morgens wie abends Betrieb herrschte. Außerdem wussten wir nicht weit entfernt einige Schlafbäume. Gespannt erwarteten wir am Freitag vor dem Krähenjagd-Wochenende die Inspektion durch Klaus Demmel. Würde er Beobachtungen und Platzwahl bestätigen? Krähenjagd im größeren Stil bedeutete für uns schließlich eine Premiere. Umso erfreulicher für uns Novizen: Die Platzwahl fand ungeteilte Zustimmung.

Gleich am ersten Abend demonstriert Klaus Demmel die Wirkung des Habichtpräparates mit geschlagener Krähe. Wir verbergen uns zu dritt in einer Hecke und  setzen das „Feindbild“ vor uns ins abgeerntete Feld. Mit grellen Warnrufen macht Demmel auf den „schändlichen Verlust eines Kameraden“ aufmerksam. Und es dauert auch gar nicht lange, bis ein schwarzer Späher auf diese Provokation
reagiert. Seine Antwort lockt gleich noch drei, vier weitere Schwarze herbei. Sogleich beginnen die Hasstiraden, und damit eröffnen sich die Chancen zum Schuss. Es knallt zwar vier Mal kurz hintereinander, aber keiner der schwarten Krakeeler fällt zu Boden. Vorbei! Was für eine Schande gleich zum Auftakt. Und da tröstet es auch wenig, dass der Maestro dem schlechten Beispiel als
höflicher Gast folgt. „Die Feindbilder- Einsätze sind eigentlich immer Kurzaktionen“, begründet Klaus Demmel den baldigen Umzug mit dem Habicht an eine andere Hecke. „Sowie die Krähen unser Bild entdeckt haben, entwickelt sich eine Eigendynamik. Da muss der Jäger nur noch treffen. Selbst wenn ein getroffener Vogel auf dem Rücken liegt, spornt das seine Kameraden häufig nur noch mehr an.“
Allerdings sei damit oft auch der Rahm an diesem Platz abgeschöpft. Deshalb bietet sich ein Stellungswechsel an, wenn sich in der nächsten Viertelstunde nichts mehr tut. Am zweiten Standort holen die Schrote die einzige Krähe, die sich bei unserem Habicht beschweren will, glücklicherweise aus der Luft. Der Anfang ist gemacht. Ein – wahrscheinlich zu später – Versuch mit dem Uhu lässt den ersten
Abend ausklingen. Schon in aller Herrgottsfrühe packen wir an unserem Spezialplatz unter der Lichtleitung unsere Lockkrähen aus und ziehen uns danach hurtig hinter den Schirm ins kleine Feldgehölz zurück. Als es mit dem ersten Licht und trotz intensiven Rufens unseres 48-jährigen Begleiters immer noch ruhig bleibt, machen sich leichte Zweifel breit. Werden welche kommen? Ist der Platz wirklich gut? Doch dann hören wir die ersten morgendlichen Rufer. Klaus gibt alles an Stimmkraft. Plötzlich löst sich aus dem Flug, der auf rund 300 Meter an uns vorbeistreicht, eine Krähe und schwenkt
in unsere Richtung ein. Zielstrebig nähert sie sich uns in langsamem Wellenflug: „Die kommt!“, presst Demmel hervor, „Das ist das typische Flugbild, wenn sie das Lockbild wahrgenommen haben und
einfallen wollen.“

Gleichzeitig krachen die beiden Flinten vor mir, als der Kundschafter über seinen Plastikkameraden ist. In einer großen schwarzen Federwolke stürzt der Vogel zu Boden. Das Schießen scheint
kaum zu stören, denn nur kurz danach kommen gleich die nächsten Krähen über unser Gehölz, das uns perfekte Deckung auch nach oben gibt. Eine weitere Krähe liegt, die zweite ist mit gutem Treffer noch 70 Meter abgestrichen und verendet. Wir holen geschwind die erste rein, schaffen es aber nicht bis zu der weiter entfernt liegenden, denn schon tauchen die nächsten Räuber am Horizont auf.
„Schnell zurück“, treibt uns Klaus in die Deckung, „so wenig wie möglich draußen sehen lassen.“ Schon sind die krächzenden Rufe zu hören. Als sie schon fast in Schussweite sind, drehen sie ab und
schimpfen wütend. „Das sind Warnrufe. Es hat keinen Sinn, wir müssen erst die auf dem Rücken liegende Krähe vom Acker holen.“ Als alle verschwunden sind, läuft Klaus los und holt den längst verendeten Vogel in den Schirm. Als ich sie erfreut an mich nehme, höre ich Heiko rufen: „Da vorn, da vorn – ich werd’ verrückt!“ Ich beinahe auch, kommt doch tatsächlich eine Rotte Sauen auf uns zu. Eine Bache und elf Frischlinge in zwei verschiedenen Größen. Auf fliegendes „Schwarzwild“ sind wir vorbereitet, auf echtes nicht: Keiner hat ein Flintenlaufgeschoss dabei. Wir sind schon wieder im Schirm, als ein Nachzügler auftaucht, der schnauft wie eine kleine Dampflock. „Hat wohl den Anschluss verpasst“, sagt Klaus und lächelt. Noch eine halbe Stunde lassen sich die schwarzen Raubritter der Lüfte durch Lockrufe und unsere Attrappen verführen, dann reißt der Faden ab. Immerhin haben wir an diesem Morgen acht Krähen zur Strecke gebracht. Eine fiel sogar vollkommen lautlos und zunächst unbemerkt zwischen unseren Decoys ein. Dem erfahrenen Blick von Klaus Demmel entging die bewegliche „Attrappe“ jedoch nicht, und blitzschnell endete ihr Leben in der hingeworfenen Schrotgarbe. Auch ein paar Tauben füllten hin und wieder die Lücken zwischen unseren Plastikkrähen. Auch am Abend wie am nächsten Morgen präsentierte uns Klaus Demmel die ganze Bandbreite der Möglichkeiten, um die Krähen mit Locker, List und Tücke in den Bereich unserer Flinten zu bringen. Dabei brachte unser Premium-Stand im Zusammenspiel mit Krähenattrappen und Lockrufen die größte Ausbeute. Immerhin waren wir so gut geschult, dass wir ohne fremde Hilfe am Sonntagabend das Gesamtergebnis um fünf weitere auf insgesamt 25 Krähen schraubten.

Allen hat diese Aktion einen Mordsspaß gemacht. Bisher hatten wir lediglich Einzelkrähen mit Schrot oder der kleinen Kugel erwischt. Und nun konnten wir gleich 25 im Streckenbuch eintragen. Das
Schönste dabei: permanent war etwas los. Man horchte auf Rufe, suchte ständig den  Horizont nach „Flugobjekten“ ab und lockte gezielt die Vögel bis vor den Schirm. Die kommenden Jagden wird
auch ein Hund dabei sein, der die erlegten Krähen noch deutlich schneller vom Feld holen kann, als es der Jäger vermag. Durch die Tatsache, dass wir mindestens zu zweit im Schirm waren, kam nie Langeweile auf. Jeder übernahm einen Sektor zur Überwachung, und man freute sich gemeinsam am Erfolg. Dieser ließe sich noch steigern, wenn an verschiedenen Stellen im Revier gleichzeitig gejagt
wird, weil dadurch die Krähen noch besser in Bewegung gehalten werden. Im Gegensatz zu manch anderen Jagdarten mit der Flinte muss man sich in keiner Form beschränken, jede Krähe mehr
steigert uneingeschränkt die Freude. Mal abgesehen davon, dass das Niederwild ebenso davon profitiert, wie der Landwirt, dessen Silageballen von den schwarzen „Flattermännern“ regelmäßig
aufgehackt werden und die bei ihm dadurch für reichlich Verdruss sorgen. Wir planen schon den nächsten Einsatz. Am besten bei Schnee, denn da lassen sich noch bessere Strecken erzielen, weiß „Meister“ Demmel.

Krähenjagd-Kasten

Jahreszeit: Innerhalb der Jagdzeit immer machbar.
Besonders erfolgversprechend: auf Jungkrähen im Spätsommer und Herbst, im Winter bei Schneelagen und im Frühjahr zur Balz.
Tageszeit: Den ganzen Tag über möglich. Am aussichtsreichsten frühmorgens und am späten Nachmittag.
Wetter: Bedeckter Himmel und diesiges Wetter sind günstig, viel Sonne und Wind weniger.
Platzwahl: Flugrouten und Schlafbäume auskundschaften. Aktuelle Ansammlungen feststellen. Attraktiv sind frisch bestellte Schläge, gedüngte Felder(Mist oder Gülle), gemähte Wiesen, Silos, Müllplätze sowie kleine Feldgehölze, Hecken oder Buschgruppen
Tarnung: Das A und O bei der Krähenjagd. Alle hellen und glänzenden Stellen (Augen) sollten abgedeckt/abgeschirmt sein; möglichst in Anpassung an die Umgebung. Auf Deckung von oben achten. Ein schnell aufstellbarer Schirm ist sehr hilfreich. Waffe erst unmittelbar vor dem Schuss anschlagen.
Verhalten auf dem Stand: Nicht mehr als zwei Jäger pro Stand. Ruhig in der Deckung verharren, bis die Krähen in Schussentfernung sind.
Waffe: Flinte oder Halbautomat mit Halb-, Dreiviertel oder Vollchoke.
Munition: Rabenkrähen sind hart im Nehmen. Deshalb sind gute Deckung und Durchschlagskraft nötig. Patronen mit 36 Gramm Vorlage zwischen 3 und 3,5 Millimeter im Kaliber 12/70 oder 12/76 haben sich bewährt.

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Author: Admin

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