Erste Hilfe für Jagdhunde

 Zögern zählt nicht!
Der Hund ist geschlagen worden, der Tierarzt weit weg. Was ist zu tun? THORE WOLF sagt Ihnen, wie Sie Ihrem Vierläufer Erste Hilfe leisten können.

Erste Hilfe für Jagdhunde

Das ist nur ein Kratzer, das wird schon wieder!“ Oft hört man diesen Spruch nach einem Treiben. Ob er berechtigt ist, sei dahingestellt. Schön, wenn es zutrifft. Doch nicht immer sind Verwundungen des
Hundes so leicht. Trotz Schutzweste und Hundeortung bleibt es nicht aus, dass der Vierläufer auf einer Bewegungsjagd von einem Schwarzkittel geschlagen, von einem Auto angefahren oder von üblen Waidgenossen mit lockerem Zeigefinger angebleit wird. Und oft entscheiden dann nur Sekunden über das Schicksal des Hundes. Deshalb ist es wichtig, dass jeder Hundeführer die Verletzungen seines
Vierläufers richtig einschätzen und noch an Ort und Stelle Erste Hilfe leisten kann.

Was  tun  bei  einem  Schock? Ein Schock entsteht durch eine Unterversorgung der Organe mit Blut. Erkennbar ist der Schock-Zustand am apathischen Verhalten, kalten Läufen, einem kaum fühlbaren
Puls und blassen Fang-Schleimhäuten. Der Hund benötigt in diesem Fall eine Infusionstherapie und sollte sofort zum Tierarzt gebracht werden. Der Hundeführer sollte während des Transportes
den Hund mit einer Decke oder Jacke wärmen. Denn die mangelnde Durchblutung lässt den Vierläufer auskühlen, was zu einer schweren Stoffwechselstörung und zum Tod führt. Den Puls des Hundes fühlen Sie an der Innenseite der Hinterläufe in Nähe des Beckenbodens. Die normale Pulsfrequenz liegt bei großen Hunden zwischen 70 und 100, bei kleinen zwischen 90 und 120 Schlägen pro Minute. Ein weiteres Indiz für einen Schock finden Sie, indem Sie mit dem Finger einen Moment auf die Fangschleimhaut des Hundes drücken. Wenn Sie anschließend den Finger wegnehmen, füllt sich die weiße Druckstelle binnen zwei Sekunden wieder mit Blut und wird rosa. Unter Schock dauert dieser Prozess länger.

Riss-  und  Schürfwunden: Auch kleinere Risse und Wunden sind ernst zu nehmen. Werden sie nicht gereinigt und versorgt, können sie sich entzünden und so die Gesundheit des Hundes nachhaltig schwächen. Zum Säubern der Wunden eignet sich eine anatomische Pinzette, mit der auch kleinste Schmutzpartikel gut zu entfernen sind. Mitgeführtes frisches Trinkwasser kann dabei ein wichtiger Helfer sein. Nach dem Reinigen wird Desinfektionsmittel auf die Wunde gegeben. Kleinere Verletzungen heilen am besten „an der Luft“, müssen dementsprechend aber auch regelmäßig gesäubert und desinfiziert
werden. Größere Wunden sollten mit einer Kompresse oder einer in Lagen gelegten Mullbinde abgedeckt werden, damit nicht erneut Schmutz hineinkommt. Darauf gehören Watte und eine Lage Mull,
bevor der eigentliche Verband angelegt wird.

Atemstillstand: Atmet der Hund nicht mehr, wird er sofort mit der Mund-zu-Nase-Technik beatmet. Vorher muss jedoch die Fanghöhle von Schmutz, Speichel oder Erbrochenem befreit werden, um die Atemwege frei zu räumen. Beim Beatmen wird der Fang mit der Hand zugehalten und in die Nase des Vierläufers langsam ausgeatmet. Dabei sollte sich der Brustkorb heben und anschließend wieder senken. Die Beatmung erfolgt zehn bis 20 Mal pro Minute. Vorsicht: Nicht zu stark und zu schnell Luft einblasen, sonst können Lungenbläschen zerstört werden.

Herzstillstand: Bei Herzstillstand wird der Hund auf die rechte Seite gelegt. Das Herz befindet sich auf der linken Brustkorbseite, kurz hinter dem Schulterblatt zwischen dem 3. und 6. Rippenzwischenraum. An dieser Stelle wird der Brustkorb kurz und oft hinter einander mit den Händen zusammengepresst und wieder losgelassen (zwischen ein bis zwei Mal pro Sekunde).
Nach fünf bis sechs Sekunden Herzmassage sollte eine Pause eingelegt und der Hund weiter durch den Fang beatmet werden. Dabei den Brustkorb beobachten und fühlen, ob das Herz wieder zu schlagen beginnt. Wenn nicht, erneut den Brustkorb kurz hintereinander pressen. Das Verhältnis zwischen Massage und Luftgeben sollte so gewählt werden, dass auf etwa zehn bis 15 Kompressionen zwei Beatmungszüge kommen. Bei kleinen Hunden, wie Terriern oder Teckeln, reicht eine Handfläche zur Herzmassage völlig aus. Bei größeren Vierläufern muss man – wie beim Menschen – mit beiden Händen arbeiten. Vorsicht: Aufpassen, dass dabei keine Rippen gebrochen werden, die in die Lunge des Vierläufers eindringen können.

Verletzte Läufe: Auch bei Laufverletzungen zunächst die Wunde reinigen, desinfizieren und anschließend einen Schutzverband anlegen. Bei größeren Blutungen sollte ein Druckverband angebracht werden. Dabei den Verband fest um den Lauf wickeln, bis der Blutfluss gestoppt ist. Nach rund 20 Minuten den Verband wieder lockern, um die Durchblutung nicht abzu schnüren. Unbedingt die genaue
Uhrzeit merken, wann der Druckverband angelegt wurde. Bei einem Bruch hilft vorübergehend eine Schiene, um den Lauf ruhig zu stellen und Schmerzen zu lindern. Dazu kann ein robuster Ast oder auch
ein Jagdmesser (in der Scheide) dienen, das mit einem Verband am Lauf fixiert wird. Dabei unbedingt auch die Gelenke ober- und unterhalb der Bruchstelle stabilisieren.

Offene Schlagader: Kann man eine Blutung nicht stoppen, weil beispielsweise die Schlagader des Hundes verletzt ist, wird die Blutung einige Zentimeter über der Wunde immer in Richtung Herz abgebunden. Hierzu eignen sich Gürtel, Stofffetzen oder Binden. Allerdings sollte die Presse nur so weit angezogen werden, dass die Blutung nachlässt, und dann so schnell wie möglich ein Tierarzt aufgesucht werden. Um die notwendige Blutzufuhr dennoch zu gewährleisten, muss der Stauverband alle 15 Minuten für ein bis zwei Minuten gelockert werden. Beim Stauverband wird die Binde zwei
bis drei Mal um den Lauf gewickelt und verknotet. Ein Stöckchen reinstecken und wie eine Schraube so lange drehen, bis die Blutung aufhört. Anschließend den Stab mit einer Binde fixieren. Wichtig:
Zeitpunkt des Abbindens merken!

Augenverletzung: Beim Stöbern in dornigem Unterholz, Schilf oder auch an Stacheldrähten können die Augenlider des Hundes eingerissen werden. Meist schwellen sie deutlich an und bluten sehr
stark. Der eigentliche Riss ist aber in der Regel nur wenige Millimeter lang. Die Wunde sollte ebenfalls mit klarem, sauberen Wasser gereinigt (nicht desinfiziert!) und mit sterilen Tupfern abgedeckt werden.
Ist ein Kühlakku zur Hand, kann dieser auch die Schwellung lindern. Danach direkt einen Tierarzt aufsuchen. Wird zu lange gewartet, kann die Verletzung dazu führen, dass sich das Lid nicht mehr richtig
über der Hornhaut schließt. Bei jeder Lidverletzung kann auch die Hornhaut beeinträchtigt werden. Hornhaut-Verletzungen erkennt man meist nur daran, dass das betroffene Auge stark tränt und der Hund es zukneift. Hier kann fürs Erste das Auge mit Leitungswasser oder physiologischer Kochsalzlösung gereinigt und feucht gehalten werden. Der Hund sollte sofort zum Tierarzt gebracht werden. Im schlimmsten Falle kann das Auge nämlich auslaufen. Während des Transportes den Hund ruhig halten und darauf achten, dass er nicht an der Wunde kratzt!

Risse in den Behängen: Wunden an und in den Behängen bluten sehr stark. Der Hund schüttelt seine Ohren, vor allem wenn Blut in den Gehörkanal geflossen ist. An dieser Stelle lässt sich aber
kein klassischer Druckverband anlegen. Die Blutung kann nur mit ständigem Pressen der Hand oder mit sterilen Tupfern gestoppt werden. Ist die Blutung gestillt, Wunde und Gehörgang reinigen
und einen Ohrenverband anlegen. Dieser wird eng anliegend in „Achterschlägen“ um den ganzen Kopf des Hundes (auch um den gesunden Behang) geschlungen, damit er gut sitzt.

Biss im  Kehlbereich: Bei Verletzungen im Kehlbereich ist es lebenswichtig, die Wunden sauber zu halten. Sonst können sich Schmutz und Bakterien anhäufen. Die Wunde aber nur oberflächlich
desinfizieren und sofort einen leichten Verband anlegen. Hals und Drossel dürfen dabei nicht eingeengt werden. Der Verband sollte vom Unterkiefer bis zum Brust ansatz um den Hals gewickelt werden, damit er gut sitzt.

Verletzung  des  Brustkorbes: Sind Äste in den Brustkorb eingedrungen, dürfen sie auf keinen Fall herausgezogen werden! Jetzt hilft nur der schnellste Weg zum Tierarzt, da Gefahr besteht, dass die Lunge des Hundes zusammenfällt. Wurde der Hund von einer Sau geschlagen und im Brustkorb klafft eine offene Wunde, kann ebenfalls einströmende Luft zum Zusammenfallen der Lunge und somit zum Tod des Hundes führen. Als erste Hilfsmaßnahme eignet sich eine Plastikplane oder Frischhaltefolie, mit der das Loch sofort luftdicht abgedeckt wird. Danach sofort einen Tierarzt aufsuchen!

Flanken-  und  Bauchwunden: Hängen Darmschlingen und Eingeweide heraus, darf kein Schmutz in die Wunde gelangen. Die Eingeweide auf keinen Fall in die Bauchhöhle drücken! Wunde und Gedärm sofort mit einem sauberen, feuchten und fusselfreien Tuch abdecken und zum Tierarzt fahren. Heraushängende Darmschlingen dürfen nicht geknickt werden und sollten auf dem Weg zum Tierarzt weiterhin mit Tüchern gut feucht gehalten werden.

Unter Schmerzen kann sogar der handzahmste Vierläufer nach seinem Herrn beißen, wenn dieser ihn verarztet. Deshalb empfiehlt es sich, mit der Führleine einen behelfsmäßigen Maulkorb anzulegen: die Leine doppelt legen und die entstandene Schlaufe zurückklappen. Mit Daumen und Zeigefinger fixieren und die Leine so über den Fang des Hundes führen, dass das doppelt gelegte Mittelstück zwischen die Zähne geschoben wird (s. Bild Seite 34). Die Schlaufe läuft außen um den Fang. Leine rasch festziehen und mehrfach um den Fang des Hundes wickeln.

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Author: Admin

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